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Bewerbungstrends: Brauchen wir jetzt alle eigene Bewerbungswebseiten?

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Hat die klassische Bewerbung ausgedient? Immerhin hat sich der Bewerbungsprozess in den vergangenen Jahren ins Internet verlagert. Karrierecoach Kay Becker erklärt, warum Anschreiben und Lebenslauf auch im digitalen Zeitalter nicht aus der Mode kommen und was von alternativen Bewerbungsformen zu halten ist.

XING Coaches: Bewerben im digitalen Zeitalter, was gibt es da zu beachten?

Kay Becker: Viele Unternehmen fordern Bewerber längst auf, sich ausschließlich über spezielle Online-Tools zu bewerben oder ihre Unterlagen zum Beispiel als pdf-Dokument zu verschicken. Wer eine pdf-Bewerbung anfertigt, macht im Prinzip das Gleiche wie eine Mappe zusammenzustellen. Selbstverständlich sollte sein, dass man ein einziges Dokument mit der kompletten Bewerbung, also Anschreiben, Lebenslauf und relevante Zeugnisse, versendet und nicht etwa mehrere einzelne Dokumente – und dann auch noch in mehreren Mails.

XING Coaches: Welche Relevanz haben moderne Bewerbungsformen im Internet, ich denke da beispielsweise an Bewerbungsvideos oder Bewerbungswebseiten?

Kay Becker: Nach meiner Erfahrung sind diese Formen auf dem Arbeitsmarkt noch nicht so relevant. Bewerbungen mit eigener Internetseite oder Video machen möglicherweise Sinn in Branchen oder Positionen, wo man mit diesen Medien auch arbeitet und man somit seine Fähigkeiten schon unter Beweis stellen kann. Auch für Jobs, in denen eine besonders kreative Arbeitsweise gefragt ist, kann man solche Bewerbungsmodelle nutzen. Auf einer Homepage lassen sich zum Beispiel Arbeitsproben sehr gut hinterlegen. Die Grundprinzipien einer Bewerbung müssen aber auch bei solchen Formaten berücksichtigt werden: Was motiviert mich für den neuen Job, wer bin ich fachlich und persönlich?

XING Coaches: Was ist die größte Herausforderung beim Verfassen einer guten Bewerbung?

Kay Becker: Viele tun sich schwer damit, im Anschreiben zu klären, warum sie sich für die ausgeschriebene Position interessieren und greifen auf Floskeln („interessante Herausforderung, renommiertes Unternehmen“) zurück. Hier muss man sich definitiv mehr Mühe geben: Anstatt sich zu fragen, was das Unternehmen hier wohl gerne hören würde, sollte man überlegen, was genau man mit der zukünftigen Aufgabe verbindet. Das ist besonders wichtig bei Bewerbern, die keinen klaren roten Faden in ihrer Berufsbiographie und damit in Ihrem Lebenslauf haben.

XING Coaches: Was kann ich sonst noch tun, damit sich das Anschreiben im positiven Sinne von der Masse abhebt?

Kay Becker: Bei der Bewerbung geht es immer um zwei Dinge: um Motivation und um Kompetenzen. Der Bewerber sollte also im Anschreiben schlüssig begründen, was ihn an dem Job und am Unternehmen oder der Branche interessiert und welche wesentlichen fachlichen und persönlichen Fähigkeiten er dafür nutzbar machen kann. Bei der Beschreibung persönlicher Stärken gilt: Besser auf ein, zwei beschränken und diese mit einem kurzen Beispiel schlüssig belegen.

XING Coaches: Welche Punkte sind im Lebenslauf wichtig?

Kay Becker: Der Lebenslauf sollte vor allem Berufserfahrung, Berufspraxis, Ausbildung (Studium und /oder Ausbildung) und Fachkenntnisse abbilden. Nach meiner Beobachtung bildet die Ausbildung immer noch eine gute Grundlage, die Berufspraxis wird aber zunehmend wichtiger. So kann man zum Beispiel in den Stationen der bisherigen beruflichen Erfahrung besondere Tätigkeitsschwerpunkte benennen, die für die neue Position nutzbar gemacht werden können. Ein Lebenslauf ist also keineswegs statisch, sondern kann an diesen Stellschrauben immer auf die Anforderungen des neuen Jobs angepasst werden. Wer diese Dinge beherzigt, tut viel dafür, dass die Bewerbung individuell und schlüssig ist und keine Bewerbung „von der Stange“. Das macht den Unterschied aus.

XING Coaches: Ist eine Lücke im Lebenslauf noch ein K.O. Kriterium?

Kay Becker: Viele haben Angst vor Lücken im Lebenslauf und saugen sich verquere Begründungen aus den Fingern. Hier darf man ruhig gelassener sein. Lücken von bis zu ungefähr einem dreiviertel Jahr muss man gar nicht dokumentieren. Die Suche nach einer neuen Beschäftigung dauert nun einmal. Auch Familienzeiten, also die Betreuung von Kindern oder die Pflege eines Familienangehörigen, können einfach entsprechend dokumentiert werden.

XING Coaches: Also lieber schonungslose Ehrlichkeit als beschönigende Floskeln?

Kay Becker: Ja. Was im Lebenslauf steht, muss sowieso der Wahrheit entsprechen. Wer beispielsweise perfekte Englischkenntnisse ankündigt, muss diese Fähigkeiten auch im Job einsetzen können. Sonst ist dies – auch zu einem späteren Zeitpunkt – ein Kündigungsgrund.

Autor: Kay Becker

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