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Wann Führungskräfte einen Mitarbeiter nach Hause schicken sollten

Businessman blowing nose at home office

Die Personalberatung LAB & Company hat sich in Kooperation mit Hochschule Coburg kürzlich mit der Frage beschäftigt, wie Führungskräfte in Deutschland reagieren, wenn ihre Mitarbeiter krank ins Büro kommen. Tolerieren sie die Anwesenheit trotz „Risikofaktor“, schicken sie die Betroffenen nach Hause oder empfinden sie das Verhalten sogar als löblich? Ein Blick in die Umfrageergebnisse offenbart geteilte Meinungen. Hier erfahren Sie, wie Sie als Führungskraft mit kranken Mitarbeitern umgehen sollten weshalb.

Als Führungskraft müsste Ihnen dieses Szenario bekannt vorkommen: Ein Mitarbeiter taucht spürbar krank im Büro auf, möchte aber partout nicht nach Hause gehen. Er kämpft sich durch den Arbeitstag, jammert vielleicht ein wenig und steckt schlimmstenfalls direkt die Kolleginnen und Kollegen im Team an. Am nächsten Tag flattert plötzlich doch die Krankmeldung herein – und jene zweier weiterer Mitarbeiter. So oder so ähnlich verhalten sich viele Arbeitnehmer in Deutschland, sei es aus übertriebener Motivation für die Arbeit, aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder einem schlechten Gewissen, das aus dem Verantwortungsgefühl resultiert, nicht den Teamkollegen „zur Last fallen“ zu wollen. Abgesehen davon, dass es aus menschlicher Sicht eine Qual ist, sich krank an den Arbeitsplatz zu schleppen und sich dort sechs, acht oder zehn Stunden konzentrieren zu müssen, schadet ein solches Verhalten auch dem Unternehmen.

Kranke Mitarbeiter im Büro kosten Unternehmen Milliardenbeträge

Auf rund 180 Milliarden Dollar Schaden werden die Auswirkungen des Präsentismus in den USA geschätzt. Diese Kosten resultieren aus dem Produktivitätsverlust kranker Mitarbeiter im Büro sowie der Ansteckungsgefahr weiterer Kollegen. Demnach sinkt die Produktivität eines Betroffenen 7,5-fach mehr, wenn er krank zur Arbeit kommt, als bei Fehlzeiten aufgrund einer Krankschreibung. Die Fehleranfälligkeit steigt aufgrund der mangelnden Konzentration rasant an, die Arbeitsergebnisse weisen eine schlechtere Qualität auf und die Genesung braucht in der Regel deutlich länger. Diese Faktoren führen dazu, dass ein kranker Mitarbeiter im Büro den Arbeitgeber in Deutschland doppelt bis dreimal so viel kostet wie ein Mitarbeiter mit krankheitsbedingten Fehltagen. Durchschnittlich handelt es sich dabei um rund 2.400 Euro mehr im Jahr – pro Mitarbeiter. Und das, obwohl das „Krankfeiern“ längst aus der Mode zu sein scheint.

Deutsche Arbeitnehmer bleiben immer seltener zu Hause

Laut Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung geht fast die Hälfte der Deutschen regelmäßig krank zur Arbeit, rund 30 Prozent sogar trotz ärztlicher Krankschreibung. Während in den 80er Jahren noch rund vier bis sechs Prozent der Soll-Arbeitszeit krankgefeiert wurde, sind es mittlerweile nur noch gute drei Prozent, was durchschnittlich 7,2 Arbeitstage pro Arbeitnehmer im Jahr bedeutet. Fast die Hälfte der deutschen Beschäftigten wies im Befragungszeitraum sogar überhaupt keine Fehltage auf. Das liegt aber nicht an der Abwesenheit von Krankheit, sondern an den bereits erwähnten Faktoren wie der Angst vor einem Karriereknick oder einem übertriebenen Verantwortungsbewusstsein. Der Druck auf kranke Mitarbeiter scheint also zunehmend zu steigen – was nicht nur den Betroffenen, sondern auch dem Unternehmen schadet. Wer handeln muss, sind die Führungskräfte.

Wann sollten Führungskräfte einschreiten?

Um auf die Umfrage der Personalberatung LAB & Company und der Hochschule Coburg zurückzukommen, schicken nur zwei Drittel aller deutschen Führungskräfte Mitarbeiter nach Hause, obwohl diese ernsthaft krank sind. 17 Prozent sind der festen Überzeugung, eine häufige Krankschreibung von Mitarbeitern sei ein legitimer Kündigungsgrund. Rund zehn Prozent der Führungskräfte finden ein solches „Engagement“ sogar löblich. 26 Prozent organisieren eine Möglichkeit zur Heimarbeit für den betroffenen Angestellten, lassen ihn also dennoch arbeiten – wenn auch ohne Ansteckungsgefahr im Büro. In Anbetracht der negativen Konsequenzen für den Arbeitnehmer und die Firma, sind die Zahlen verheerend. Es scheint, als gäbe es in dieser Hinsicht bei deutschen Führungskräften Lernbedarf. Wenn ein Mitarbeiter offensichtlich krank ist, sprich fiebrig, verschnupft oder schlapp wirkt beziehungsweise über Schmerzen klagt, sollten Führungskräfte zum Schutz des Betroffenen sowie zum Wohl des Unternehmens und der anderen Mitarbeiter einschreiten. Aber wie?

Wie sich Führungskräfte kranken Mitarbeitern gegenüber korrekt verhalten

Es gilt, erst einmal das Vieraugengespräch zu suchen. Rufen Sie als Führungskraft den betroffenen Mitarbeiter in Ihr Büro und fragen Sie ihn nach einer ehrlichen Einschätzung seines Gesundheitszustandes. Gehen Sie dabei wie folgt vor:

– Erkundigen Sie sich nach dem Wohlbefinden des Mitarbeiters. Hat er nicht selbst auf sein Unwohlsein aufmerksam gemacht, sprechen Sie ihn darauf an, dass er auf Sie krank wirke und ob alles in Ordnung sei.
– Fragen Sie, ob er bereits einen Arzt aufgesucht hat und eventuell sogar über eine Krankschreibung verfügt.
– Wenn ja, ist es für Sie interessant zu wissen, weshalb er diese Krankschreibung ignoriert hat und dennoch am Arbeitsplatz erschienen ist. Hat er vielleicht Angst vor einem Karriereknick oder Jobverlust? Fühlt er sich zu sehr unter Druck, um krank zu sein? Oder möchte er sein Team nicht im Stich lassen? Dieses Nachhaken ermöglicht Ihnen, den Mitarbeiter sowie dessen Motive näher kennenzulernen und dadurch gegebenenfalls Missstände im Team zu erkennen sowie zukünftig zu beseitigen.
– Resultiert der Präsentismus zum Beispiel aus der Angst vor dem Jobverlust, sollten Sie sich um ein Betriebsklima der Sicherheit bemühen.
– Legen Sie Ihrem Arbeitnehmer nahe, nach Hause zu gehen und sich auszukurieren. Betonen Sie dabei, dass dies in Ordnung sei und nehmen Sie ihm eventuelle Ängste.
– Suchen Sie gerne auch vorsorglich die Möglichkeit, das Thema Präsentismus mit Ihrem Team zu besprechen, zum Beispiel im wöchentlichen Meeting. Erläutern Sie, wann und weshalb Mitarbeiter lieber zu Hause bleiben sollten und halten Sie auch zur gegenseitigen Achtsamkeit an. Je mehr Rücksicht und Verständnis im Team bezüglich des Themas Krankschreibung herrscht, desto besser.

Sie sind Führungskraft und möchten gerne mehr darüber erfahren, wie Sie sich in bestimmten Situationen Ihren Mitarbeitern gegenüber korrekt verhalten? Ein professioneller Führungskräfte-Coach kann helfen. Eine Auswahl passender Coaches finden Sie hier. Weitere interessante Coaches für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung finden Sie unter diesem Beitrag.

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