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Macht. Führung. Sinn. Wo, bitte, führen Sie hin?

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Cristian HofmannFührungskräfte-Coaching, Systemisches Coaching, Teamentwicklung
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Westend 61 / Getty Images

Macht, Kontrolle, Entscheidungsgewalt: Wenn dies das Vokabular ist, mit dem Sie Leadership definieren, dann sollten Sie gründlich über folgende Begriffe nachdenken: Augenhöhe, Partizipation, Eigenverantwortung, Authentizität, Wertschätzung und Vertrauen.

Und schon sind Sie auf bestem Weg, die Zufriedenheit in Ihrem Unternehmen und Ihr eigenes Ansehen zu steigern.

«Als Chef hast du mehr Leichen im Keller als ein Krematorium.» Starten wir den Versuch, mehr Licht ins Dunkel zeitgemäßer Führung zu bringen – mit diesem Zitat von Bernd Stromberg: Hauptfigur in der preisgekrönten Comedy-Serie. Stromberg ist eine Führungsperson vielmehr gar keiner Schule – einer, der vom Umfeld gehasst und von sich selbst geliebt wird. Stromberg ‘zeichnet sich aus’ durch seine despektierliche, egoistische Art.

In jedem Fall können wir von Stromberg ohne Zweifel einiges lernen: Vor allem, wie man nicht führen sollte und dadurch eben auch, wie man stattdessen das eigene Ansehen beim Umfeld steigern kann.

Boss, kommen Sie mal runter!

Kontrollieren, bewerten, belohnen, beleidigen: Die Führungsstile dieser Art sind passé. Kann sein, dass die Welt, insbesondere die Berufswelt, damit ganz ordentlich funktionierte und man dank entsprechender Mentalität in einem Betrieb gewisse Fortschritte und Effizienz erzielen konnte. Heute gilt: Boss, kommen Sie mal runter! Und zwar auf Augenhöhe mit der Belegschaft, die a) aus Menschen besteht und b) aus solchen, die eben auch auf Augenhöhe wahrgenommen und respektiert werden wollen.

Entspannen Sie sich – das ist nicht das Ende Ihrer Autorität. Ganz im Gegenteil, es ist erst der Anfang.

Tiefgreifende gesellschaftliche Strukturveränderungen der letzten Jahrzehnte beeinflussen auch das Verständnis der Führungsaufgaben. So sind heute übergreifende Kooperationen statt starrer Hierarchien gefragt. Entscheidend ist die Art und Weise, wie die Menschen heute angesprochen und involviert werden wollen und sollten.

Mit ihren vielfältigen Möglichkeiten, Transparenz zu schaffen, hat auch die Digitalisierung den Veränderungsprozess hin zu Partizipation und Mitbestimmung nochmals drastisch beschleunigt. So sind die Grenzen zwischen Führenden und Geführten für Außenstehende heute oft nicht mehr klar erkennbar. Dementsprechend ist Führen auf Augenhöhe kein klassisches Führungsinstrument, sondern eine grundlegende Frage der persönlichen Haltung und des eigenen Menschenbilds. Stromberg würde natürlich widersprechen.

Führung führt über Ihr Ansehen

Sobald zwei oder mehr Menschen miteinander arbeiten, kommt die Frage nach Hierarchie und damit nach Führung auf. Es geht um Vertrauen und Verantwortung und von Beginn an auch um Respekt, den man heute kaum mehr einfach bloß aufgrund seiner Führungsposition bekommt. Respekt muss erst verdient werden. Und er findet – das leuchtet ein – im Optimalfall wechselseitig statt. Oft tritt er erst zutage, wenn man ihn ebenfalls entgegenbringt. Respekt als Form von Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Und was genau soll man denn an Ihnen respektieren, wenn nicht Ihre Führungsfunktion? Eine zentrale Frage.

Das eigene Ansehen wird unter anderem definiert durch Leistung, Verhalten und Werte, die man vertritt. Was passiert, wenn der Mitarbeitende Vertrauen, Verantwortung, Partizipation und jenen Respekt vermittelt bekommt, den Sie als Führungskraft auch von ihm erwarten? Dann haben Sie die Basis für jede fruchtbare Zusammenarbeit.

Machen Sie sich ein Bild von sich

Mal ehrlich: Wem geht es manchmal nicht auch so wie Stromberg: «Ich hab’ überhaupt kein Problem mit Autoritäten, ich kann’s nur nicht haben, wenn mir einer sagt, was ich zu tun und zu lassen hab’.» Woher diese Einstellung wohl kommt? Woher kommt das bei Ihnen aus Ihrer Sicht? Haben Sie sich schon einmal überlegt, welche Persönlichkeiten und Prinzipien Ihre Auffassungen von Autorität und Führung geprägt haben?

Ihre Mitarbeitenden würde das wohl interessieren. Nicht zuletzt, um Sie besser verstehen und einordnen zu können, was wiederum für mehr Sicherheit in Ihrem Arbeitsumfeld sorgt.

Ihr Selbstbild sollte nicht allzu stark von jenem abweichen, das Ihr Umfeld von Ihnen hat. Wenn Sie sich selbst spiegelbildlich als ein von da Vinci gemaltes Kunstwerk betrachten, man Sie aber hinter vorgehaltener Hand eher als Strichmännchen wahrnimmt, dann stimmt etwas nicht. Trotz Führungsposition: Sie müssen keineswegs als Panzer über den täglichen Arbeitswahnsinn hinwegrollen. Wesentlich besser wäre, man würde Sie sozialkompetent einstufen. Vorgesetzte haben es leichter, wenn das Image stimmt.

Sozialkompetenz trägt einen wesentlichen Teil zum vom Umfeld aufgebauten Fremdbild bei und muss strategisch entwickelt, positioniert und gepflegt werden. Ein Schlüsselfaktor, um erfolgreicher zu werden und zu bleiben. Wer Überzeugungskraft und Charisma ausstrahlt und im Management Team als ‘One Voice’ wirkt, braucht zur Durchsetzung seiner Interessen und Anordnungen deutlich weniger institutionelle Machtmittel.

Ohne Sinn ist der Unsinn programmiert

Der Angestellte ist in erster Linie Mensch. ‘Mensch sein’ bedeutet, sich mit Sinnfragen aller Art auseinanderzusetzen. Mit dem Sinn der täglichen Arbeit zum Beispiel. Der Psychologe Csíkszentmihályi ist Begründer der Flow-Theorie. ‘Flow’ wird dabei als beglückend erlebter Zustand völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption) definiert. Csíkszentmihályi propagierte 1992 die schrittweise Entwicklung des Menschen in Richtung Lebensziele und Sinn. Neben dem Setzen von Zielen gelten ein stimmiges Wertesystem, ein Quantum ‘Selbsteffizienz’ sowie ein gesundes Maß an Selbstwertgefühl als unabdingbare Voraussetzungen, um Orientierung in unterschiedlichsten Lebenslagen zu gewinnen. Eine der stärksten Coaching-Fragen an Führungskräfte lautet demnach folgerichtig: «Was können Sie dafür tun, dass Ihre Mitarbeitenden ihre zugewiesenen Aufgaben als sinnstiftend betrachten?»

Was Sinn macht, geht leichter von der Hand. Das gilt für Führungspersonen genauso wie für Angestellte.

Einflussnahme statt Machtausübung

Das wahre Gesicht eines Chefs und dessen Führungskompetenz zeigt sich insbesondere in Krisensituationen. Wer Macht hat, kann Druck aufsetzen. Könnte, denn: Entscheidend ist nicht die Frage, ob eine Führungskraft Macht hat. Entscheidend ist, wie sie damit umgeht. Der Macht an sich haftet ein eher schlechtes Image an, da sie oft mit Egozentrik und Missbrauch in Verbindung gebracht wird. Wird unter Macht jedoch das Vermögen verstanden, auf das Verhalten anderer Menschen Einfluss zu nehmen, ist das Gesamtbild einer Führungspersönlichkeit nachhaltig und dauerhaft.

Aus diesem Grund macht es Sinn, bei der Nutzung von Macht zwischen ‘Einflussnahme’ und ‘Machtausübung’ zu unterscheiden. Streben Sie also eine berufliche Laufbahn mit nachhaltigem Einfluss an, sollten Sie Ihre Wünsche und Visionen zum Ausdruck kommen lassen. Zeigen Sie Begeisterung. Sprechen Sie über Ihre Motive, Werte und Anliegen. Chefs, die das tun, kommen weitaus besser an, denn sie bringen ihren Mitarbeitenden in erster Linie Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit entgegen. Und wer sagt schon ‘Nein’ zu ein bisschen Anerkennung? Ganz im Gegenteil – die Mitarbeitenden haben ein Recht darauf. Als Führungskraft erreichen Sie damit unglaublich viel.

Mehr Hirn, weniger Ellenbogen

Wer über Macht verfügt, kann anderen Menschen Vorteile verschaffen – oder ihnen Nachteile zufügen, ohne dass Möglichkeiten zur Gegenwehr bestehen. Macht bleibt also ein zentraler Bestandteil in einem Unternehmen, gar im Universum. Macht müssen Sie wollen, sonst bekommen Sie sie nie. Die Frage ist nur, wie sie gehandhabt wird. Denn: Macht kann jemand zum Vorteil aller nutzen. Einen wirklich guten ‘Machthaber’ zeichnet die Fähigkeit aus, über sich selbst und seine Wirkung auf andere intensiv nachzudenken.

Dazu brauchen Sie in der Führung genannte Selbstreflexion. Und zwar eben nicht nur in Bezug auf Ihre Mitarbeitenden, sondern auch auf Ihr eigenes Wohlbefinden. Wer als Führungskraft die mentalen Werkzeuge besitzt, seine eigene Leistung und den eigenen Zustand objektiv beurteilen zu können, sieht Fehlentscheidungen besser, kann sie gezielter korrigieren – und lebt definitiv gesünder.

«Der beste Führer ist der, dessen Existenz gar nicht bemerkt wird. Wo die Leute nach getaner Arbeit sagen: ,Das haben wir selbst gemacht.’» Stromberg? Aber nein: Lao-Tse, chinesischer Philosoph – und das schon im 6. Jahrhundert nach Christus.

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