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Die Realität im Blick behalten – in drei Schritten

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Markus schotters foto.128x128Dr. Markus SchottersBusiness Coaching, Systemisches Coaching
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Unser Gehirn legt sich Ereignisse gerne so zurecht, dass sie in unser existierendes Weltbild passen. Das kann fatal enden – unter anderem für Unternehmer. Was Sie dagegen tun können? Sich diese drei Schritte merken.

Kennen Sie das Buch “Die Kunst des klaren Denkens – 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen” von Rolf Dobelli? Einen dieser 52 Denkfehler bezeichnet Dobelli als „Confirmation Bias“. Dieses Kapitel ist besonders interessant, denn das Phänomen wird als Vater aller Denkfehler bezeichnet.

Selektiver Umgang mit Informationen

Mit „Confirmation Bias“ wird die Tendenz unseres Denkens beschrieben, neue Informationen so zu interpretieren, dass sie mit bekannten Theorien und bestehenden Weltanschauungen kompatibel sind.
Da kommt logischerweise die Frage auf: Was machen wir mit Informationen, die in dieses Schema nicht hineinpassen? Wir neigen dazu, diese einfach (unterbewusst?) herauszufiltern.

Nährboden für selektive Wahrnehmung

Für mich war nach der Lektüre des Kapitels klar, dass der beschriebene Denkfehler vermutlich die entscheidende Ursache für das Scheitern meines vorhergehenden Unternehmens war:

Wir hatten ein System zur Optimierung des Ausdauertrainings und zur Reduzierung des Körpergewichts entwickelt. Es zeichnete sich durch technisch brillante Sensorik und durch eine sehr benutzerfreundliche Software aus. Wir hatten eigenes Geld und Lebenszeit investiert. Wir gewannen Preise. Mitbewerber bewunderten uns. Investoren gaben uns viel Geld. Und charismatische Partner vernebelten den Blick. Das alles ergab den perfekten Nährboden für selektive Wahrnehmung.

Ursache für Scheitern

Ohne weiter ins Detail gehen zu wollen, muss gesagt werden, dass wir zwei wesentliche Informationen konsequent ignoriert haben – obwohl diese offensichtlich waren. Punkte, die unsere Kunden beeinflussten und dafür sorgten, dass diese nicht vollends zufrieden mit unserem Produkt gewesen sein konnten.

Und obwohl wir es von Vertriebspartnern, unseren Kunden selbst, von den Ausdauersportlern und Übergewichtigen immer wieder gehört haben, haben wir diese Stimmen ignoriert.

Ausreden und Selbsthypnose

Was haben wir stattdessen getan? Wir haben die magische „kritische Schwelle“ des Marktes beschworen: Wenn wir erst einmal 100, 250, 500 Systeme im Markt haben, dann wird alles von selbst laufen.
Aus der Traum: 500 Systeme haben wir zwar noch geschafft, aber dann war Schluss. Und anstatt zu überprüfen, was wir hätten besser machen können, waren die Anderen Schuld. Wir haben arrogant behauptet: „Wir müssen nicht jeden glücklich machen“.

Wir haben uns der Selbsthypnose schließlich auch bewusst verordnet, weil wir ja um alles in der Welt unser Verkaufsteam im Glauben an den Durchbruch halten wollten. Wir waren der Meinung, das gehe nur, wenn wir selber daran glauben und dazu alles Kritische ausblendeten. Denn Mitarbeiter spüren schnell, ob der Chef Gedanken des Zweifels mit sich herumträgt.

Wir nehmen Warnhinweise nicht wahr

In seinem Buch beschreibt Dobelli dieses Phänomen. Anstatt sich vor einem Angriff zu schützen und die eigenen Überzeugungen vor Schüssen zu bewahren, zu beschützen, setzt man sich in solchen Situationen lieber ein paar Schalldämpfer auf. Die Schüsse fallen zwar weiterhin, jedoch nehmen wir sie nicht länger wahr.

In dem detailliert beschriebenen Beispiel richteten sich Personen mit klaren Worten an uns – die wir jedoch erfolgreich ignorierten. Das ist eine sehr ausgeprägte Version dieses Denkfehlers.

Doch auch in anderen Bereichen kann dieses Phänomen bereits auftreten und vielleicht sogar Schaden anrichten. In der Arbeit im Team, in der sich einzelne Kollegen der Tatsache nicht stellen wollen, dass beispielsweise ihre Marketing-Strategie nicht funktioniert oder auch die Verkaufsargumentation nicht zielführend ist. In jeder alltäglichen Situation im Berufsleben können Sie diesem tückischen Denkfehler begegnen und müssen wissen, wie Sie ihm die Stirn bieten.

Wie können wir uns also schützen?

Bedenken Sie in Zukunft diese drei Wege, wie Sie sich vor den „Confirmation Bias“ schützen können:

1. Da wir unpassende Informationen nach 30 Minuten aus unseren Gedanken löschen, empfiehlt Dobelli es wie Charles Darwin zu halten. Dieser schrieb sich jede widersprechende Beobachtung auf und nahm sie besonders ernst.
2. Und er suchte sogar noch aktiv nach Widersprüchen und zwar umso intensiver, je gefestigter er seine Theorie erachtete. Seine Lieblingstheorien über den Haufen zu werfen, ist zwar harte Arbeit, aber man kommt nicht dran vorbei.
3. Setzen Sie Ihre Theorie, Ihre Weltanschauung, Ihr Konzept, Ihre Vorgehensweise aktiv dem wohlwollenden Urteil anderer Unternehmer aus. Oder dem von Kollegen, Freunden oder der Familie.

Als Empfehlung kann ich Ihnen nur mit auf den Weg geben, sich dem Urteil Anderer zu stellen. Nutzen Sie die Chance als Mitglied einer Gruppierung, eines Teams, um sich abzusichern, um Feedback einzuholen. So können Sie Ihre berufliche Entwicklung erfolgreicher gestalten.

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