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Fit statt ausgebrannt – psychische Gesundheit als Führungsaufgabe

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Bettina wecker foto.128x128Bettina WeckerKonfliktcoaching, Teamentwicklung, Führungskräfte-CoachingZum Profil

Happy colleagues in office having a meeting

Die Antwort auf psychische Belastungen ist psychische Fitness. So schaffen Sie als Führungskraft den Rahmen dafür − in sieben Schritten.

Jeder zweite in der EU, jeder dritte Erwerbstätige muss damit rechnen, in seinem Leben wegen einer psychischen Erkrankung behandelt zu werden. Die Arbeitswelt 4.0 stellt Anforderungen v.a. im persönlichen und sozialen Bereich: hoher Grad an Arbeitsverdichtung, Unsicherheit und Fremdbestimmung gepaart mit permanenten Veränderungen sind eine Herausforderung für die Belastbarkeit von Mitarbeitern und Führungskräften. Die häufigsten Erkrankungen sind (Erschöpfungs-)Depressionen und Angststörungen.

Arbeiten als psychische Ressource

Dabei ist das Arbeitsleben nicht nur Belastungs-, sondern auf Stabilitätsfaktor. Soziale Kontakte, eine als sinnvoll erlebte Aufgabe, die den eigenen Interessen entgegen kommt, die Möglichkeit, gestalten zu können und Erfolgserlebnisse zu haben, sind wichtige Energiequellen, die die psychische Stabilität stärken.

Wie ist es damit in Ihrem Team bestellt? Sind die Rahmenbedingungen dafür gegeben?

Für den Einzelnen lohnt es sich zu wissen, wo die eigenen Energiequellen liegen, um diese bewusst und gezielt nutzen zu können. Gleichzeitig helfen Strategien, um sich vor den persönlichen Belastungsfaktoren zu schützen.

Währet den Anfängen

Die ersten Anzeichen von psychischen Belastungen zeigen sich im Arbeitsalltag – die ersten, denen eine psychische Belastung auffällt, sind die Kollegen und die Führungskraft. Der einst so gesellige Kollege zieht sich zurück, kommt nicht mehr mit in die Kantine, jemand, der bisher immer frühzeitig fertig war, liefert die Unterlagen jetzt in letzter Sekunde, die ausgeglichene Kollegin, die immer einen Scherz auf den Lippen hatte, fährt bei jeder Kleinigkeit aus der Haut. Solche Veränderungen können Anzeichen für psychische Erkrankungen sein.

Während bei körperlichen Erkrankungen direkt nachgefragt wird, sind psychische immer noch heikel und werden deshalb oft tabuisiert. Sie wollen es ja nicht noch schwieriger für die Kollegin machen, deshalb sagt keiner etwas. Ein schleichender Prozess beginnt.
In einer frühen Phase helfen oft schon kleine Maßnahmen, um die Leistungsfähigkeit wieder zu stabilisieren, im Sinne des Menschen und des Unternehmens.

Die Gesundheit der Mitarbeiter ist Chefsache

Das bedeutet nicht, dass Sie als Führungskraft nun auch noch Therapeut sein müssen. Bleiben Sie im Rahmen Ihrer Fürsorgepflicht im Gespräch: diese sieben Schritte helfen weiter.

1. Hinsehen
Was fällt Ihnen auf? Wichtig ist hier vor allem, was hat sich verändert?

2. Initiative ergreifen
Sprechen Sie Ihre Beobachtungen frühzeitig an. Je früher Sie das tun, desto weniger heikel ist das Gespräch.

3. Enttabuisieren
Zur Gesundheit gehört Körper und Geist. In unserer heutigen Arbeitswelt sind in den meisten Beschäftigungsfeldern die persönlichen und sozialen Anforderungen wichtiger als die körperlichen, auch deshalb erhöht sich die Zahl psychischer Erkrankungen.

4. Integrieren statt ausgrenzen
Nehmen Sie Ihre Fürsorgepflicht wahr, zeigen Sie Interesse, gehen Sie ins Gespräch:
Was sind die Hintergründe für die Verhaltensveränderung des Mitarbeiters? Was erlebt der Mitarbeiter als belastend? Im Arbeitsumfeld oder auch im privaten Bereich?

5. Fordern statt überfordern
Machen Sie die Anforderungen des Unternehmens und des Teams deutlich. Welche Aufgaben sind für die Betroffenen gut möglich und welche sind aktuell schwierig? Wie ist die zeitliche Perspektive?

6. Unterstützen statt schonen
Zeigen Sie Ihre Bereitschaft für eine gemeinsame Lösung: Was könnte dem Mitarbeiter helfen? Entscheiden Sie nicht über den Mitarbeiter, sondern mit ihm gemeinsam.

7. Experten hinzuziehen
Nutzen Sie interne und externe Beratungsstellen. Leicht zugängliche und vertrauliche Anlaufstellen im Unternehmen erleichtern den ersten Schritt zur Hilfe.

Nicht immer sind Menschen, die psychisch belastet sind, offen für ein Gespräch, umso wichtiger ist es deutlich zu machen, dass die Veränderungen auffallen und dass die Bereitschaft zur Unterstützung da ist – auch wenn die Auslöser nicht nur im Arbeitsumfeld zu finden sind. Gerade dann ist es hilfreich, wenn die Arbeit ein stabiler Faktor sein kann. Haben Sie Mut – sprechen Sie darüber.

Wie Sie als Führungskraft die psychische Gesundheit im Team stärken

Damit es gar nicht so weit kommt, sondern Arbeit auch eine Energiequelle und positive Ressource für Sie und Ihre MitarbeiterInnen ist, können Sie einiges tun:

– Setzen Sie einen klaren Rahmen.
– Klären Sie die gegenseitigen Erwartungen.
– Lassen Sie die Stärken der MitarbeiterInnen glänzen.
– Machen Sie Erfolge sichtbar.
– Zeigen Sie Wertschätzung.
– Bleiben Sie im interessierten Dialog.
– Geben Sie Feedback.
– Klären Sie Konflikte.
– Schaffen Sie gemeinsame Momente.

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