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Liebe im Büro: So gelingt der Spagat zwischen Arbeit und Privat

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Liebe unter Kollegen ist ein heikles Thema

Jeder Vierte lernt seinen Partner im Job kennen – das Thema „Liebe am Arbeitsplatz“ ist dennoch eine heikle Angelegenheit. XING Coaches sprach mit Coach und Beraterin Irene Galler über das sensible Thema.

XING Coaches: Ab wann sollte man eine Beziehung mit einem Kollegen öffentlich machen und auch dem Vorgesetzten offenbaren? Und muss ich vielleicht sogar mit Konsequenzen rechnen?

Irene Galler: Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, es kommt sehr stark auf die Werte und die geltenden Spielregeln an, die im Unternehmen gelebt werden. In der Verantwortung des Unternehmens liegt es, dafür zu sorgen, dass das Wertesystem und die Spielregeln allen Mitarbeitern bekannt gemacht werden. Auch die Konsequenzen eines „Regelbruches“ müssen transparent sein und für alle gelten.

XING Coaches: Wie verhalte ich mich richtig, damit andere nicht denken, ich bevorzuge den Partner?

Irene Galler: Was andere denken, fühlen oder tun, liegt weder in meiner Macht noch in meiner Verantwortung. Also kann es nur darum gehen, was ich selbst als Betroffene  denke, fühle und wie  ich mich verhalte. Die Frage lautet daher „Will ich meinen Partner bevorzugen?“ Wenn ich nicht möchte, dass andere denken, dass ich meinen Partner bevorzuge, dann sollte ich es auch nicht tun. Das mag vielleicht einfach klingen, aber eine innere Haltung zu entwickeln und Integrität zu lernen, ist auch eine große Lernchance.

Der Vorsatz, meinen Partner oder meine Partnerin nicht bevorzugen zu dürfen, kann jedoch Druck, Stress oder Anspannung auslösen. Denn ich muss mich ja permanent bemühen oder darauf achten oder mich zurückhalten. Etwas vermeiden zu wollen, kostet uns Kraft und Energie, die anderswo fehlt oder sinnvoller eingesetzt werden kann. Es kommt darauf an, wie ich leben und wer ich sein möchte:  frei, selbstbestimmt und entspannt oder unfrei, fremdbestimmt und angespannt. Auf Sparflamme oder mit angezogener Handbremse?

XING Coaches: Wie kritisiere ich meinen Partner im beruflichen Umfeld?

Irene Galler: Unter Kritik versteht man die Beurteilung anhand von Maßstäben oder eine Beanstandung oder Bemängelung von Gegenständen und Handlungen. Vor allem Persönlichkeitstypen, die Kritik eher persönlich nehmen, fühlen sich dadurch leichter verletzt. Hier ist Konfliktpotenzial vorprogrammiert: Persönlichkeitstypen, die Kritik eher sachlich nehmen, können auf Typen stoßen, die Kritik persönlich nehmen. Viele zwischenmenschliche Konflikte entstehen aufgrund der Unfähigkeit, Unterschiede in der Persönlichkeit zu verstehen und damit umzugehen. Hier erweist sich eine Persönlichkeitsanalyse als sinnvoll, um individuelle Unterschiede zwischen Menschen als positiv wahrzunehmen und in diesem Sinne zu nutzen. Gute Erfahrung habe ich mit dem Myers Briggs Typenindikator (MBTI) gemacht. Besser als zu kritisieren ist außerdem, eine Feedbackkultur zu etablieren, nicht nur im Unternehmen.

XING Coaches: Was ist der Unterschied und wie baue ich ein Feedback richtig auf?

Irene Galler: Feedback zu geben bedeutet, einer Person mitzuteilen, wie ihr Verhalten vom Feedbackgeber wahrgenommen, verstanden und erlebt wird. Feedback sollte immer vom Empfänger erbeten werden, oder der Empfänger zumindest vorher gefragt werden. Es wird sachlich, konkret, beschreibend (nicht bewertend) und subjektiv formuliert. Feedback sollte außerdem nicht nur negativ und für den Empfänger brauchbar sein, sich auf Verhaltensweisen beziehen und keine Änderungen fordern. Feedback zu empfangen bedeutet, zu erfahren, wie der Feedbackgeber das eigene Verhalten wahrnimmt, versteht und erlebt. Feedback zu bekommen beinhaltet somit auch eine Lernchance, fördert positive Verhaltensweisen, bietet die Möglichkeit zur Selbstreflexion und verbessert zwischenmenschliche Beziehungen. Feedback verlangt eine innere respektvolle und wertschätzende Haltung und braucht Offenheit, Vertrauen und Vertraulichkeit, sodass sich alle sicher und geschützt fühlen können.

XING Coaches: Wie bleibt die Liebe unter Kollegen frisch, auch wenn man sich den ganzen Tag sieht?

Irene Galler: Wenn man davon ausgeht, dass die Liebe ein freies Gut ist, keine bewusste Entscheidung ist und keiner aktiven Handlung bedarf und wenn man bereit ist, sich auf die Liebe einzulassen, dann gibt es wohl nichts, worauf man achten müsste, außer auf den jeweiligen Augenblick. Es gibt Menschen, die blühen auf, wenn sie 24 Stunden mit ihrem Partner zusammen sein dürfen und andere, die diese Situation eher als Belastung sehen. Es ist also eine Frage der eigenen Bewertung, die im eigenen Kopf entsteht, und die zu den entsprechenden Emotionen und Gefühlen führt. Im Wort Bewertung steckt das Wort Werte: Wie viel Nähe und Distanz brauchen Sie? Die richtige Dosis hält die Liebe frisch und den anderen mit allen Facetten so anzunehmen, wie er oder sie ist und so sein zu dürfen, wie man selbst ist.

XING Coaches: Wie kann eine Beziehung auch über verschiedene Hierarchie-Ebenen gelingen?

Irene Galler: Die Frage impliziert die Annahme, dass es schwierig ist oder zumindest sein könnte. Gibt es denn einen Unterschied? Die Antwort hängt von der eigenen Haltung oder „Gedankenautobahn“ ab, auf der Sie unterwegs sind. Möglicherweise haben Sie schon mehrmals die persönliche Erfahrung gemacht oder von anderen Menschen gehört, dass es schwierig ist, eine Beziehung über verschiedene Hierarchie-Ebenen zu führen. Entsprechend der Spielregel „Jeder lebt nach seinen Überzeugungen“ werden Sie diese Erfahrungen dann immer wieder machen.  An dieser Stelle finde ich Coaching mit meinen Klienten die negativen  Überzeugungen heraus. Erst wenn diese  bewusst gemacht werden, hat der Coachee die Möglichkeit, seine Überzeugungen  auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und gegebenenfalls neue und positive Überzeugungen zu finden, die das Leben einfacher, leichter und freier machen.

XING Coaches: Geht es denn so einfach, seine tiefsten Überzeugungen nachhaltig zu ändern?

Irene Galler: Eine feste und innere Überzeugung entsteht aufgrund gemachter Erfahrungen. Diese Programmierung läuft völlig automatisch im Hintergrund. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse der Neurobiologie sagen jedoch, dass das Gehirn nicht fix verdrahtet, sondern anpassungsfähig ist. Synapsen, Nervenzellen oder auch ganze Hirnareale können sich verändern. Das erklärt auch, warum Coaching funktioniert. Die bloße Vorstellungskraft bewirkt Enormes, neue Verhaltensweisen und Denkkonzepte können ausprobiert und zunehmend auch im Leben umgesetzt werden. Stück für Stück werden alte und hinderliche Denkkonzepte in solche umgewandelt, die uns zufriedener, selbstsicherer und hinsichtlich der Erreichung unserer ganz persönlichen Ziele und Bedürfnisse erfolgreicher machen. Als Coach ist es meine Aufgabe, Menschen zu motivieren, in eine andere Richtung zu denken, um dadurch das Bewusstsein zu erweitern und zu verändern. Erst dadurch können sich auch neue Sichtweisen und neue Handlungsoptionen ergeben. Wie schon Albert Einstein sagte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Autor: Irene Galler

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Bildnachweis: deathtostockphoto, plainpicture

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