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10 Gründe für eine neue Führungskultur

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Heinz peter wallner foto.128x128Dr. Heinz Peter WallnerBegleitung von Veränderungsprozessen, Führungskräfte Coaching, Self-Leadership Training, Entscheidung unter hoher Komplexität, Intuition als FührungskompetenzZum Profil

Wenn wir heute auf die Welt der Wirtschaft blicken, dann ist eines ganz sicher: Das klassische Management wird in Frage gestellt. Überhaupt sind sich viele Akteure der „Management-Führungs-Leadership-Community“ einig, dass sich Führung neu definieren muss. Schlagworte, wie neue Führung oder agile Führung, sind allgegenwärtig. Aber warum ist das so? Erfahren Sie zehn Thesen, warum sich Führung ändern muss.

 

Was sagen die Führungstheorien?

Die Führungstheorien haben diesen Übergang schon lange vorgezeichnet. War bis vor Kurzem noch die transaktionale Führung, die auf Engagement über Gegenleistung, als eine Art Tauschgeschäft verstanden wurde, im Mittelpunkt der Führungswelt, so gewinnt heute die transformationale Führung, die das Sinnkonzept in den Mittelpunkt rückt, an Bedeutung. Transaktionale Führung funktioniert wie es auch das klassische Management beschreibt: Ziele setzen, Zielcontrolling, Menschen fördern und entwickeln bilden das Herzstück dieses Konzeptes. Mit im Paket ist die Hierarchie als Organisationsform, die Konflikte durch Delegation entscheidet und relevante Widersprüche ausgrenzt. Mit dem transformationalen Führungsansatz kommt nun die Führungsrolle in ein neues Licht. Transformationale Führung stellt an Menschen derart hohe Anforderungen, dass sehr schnell klar wird, dass kaum ein einzelner Mensch diese zu erfüllen im Stande wäre. Daher muss Führung als Bündel an Rollen auch auf mehrere Schultern verteilt werden. Das setzt die klassische Führungsperson außer Kraft und macht die Hierarchie als Organisationsmodell obsolet. Es gibt viele weitere Gründe, warum die klassische Hierarchie gleich mit auf der Liste der bedrohten Arten steht; dazu finden Sie einige Ansatzpunkte in den folgenden zehn Thesen:

 

1. Wir erleben einen Wandel unserer Weltbilder und Paradigmen Das ganzheitliche Denken löst das mechanistische Denken ab. Ein neues Weltbild tut sich auf. Das alte Paradigma der Wirtschaft verblasst vor den drängenden Fragen eines neuen Weltverständnisses: Was ist der Sinn und Zweck des Unternehmens? Welcher Beitrag zur Entwicklung der Welt wird geleistet?

2. Wir wirtschaften in einer komplexen Welt (VUCA Welt) Die Welt ist volatil, unsicher, komplex und ambivalent, also widersprüchlich. Das war sie schon immer, aber die Tendenz zur stark steigenden Komplexität stellt Organisationen und Führungskräfte vor ganz neue, noch weitgehend unbekannte Herausforderungen.

3. Tiefgreifende Veränderungen durchdringen das Wirtschaftsleben Eine Veränderung löst die andere ab. Klassische Hierarchien können mit der Veränderungsgeschwindigkeit nicht mehr mithalten, weil die Systeme zu träge und zu starr sind. Das klassische Management ist nur mehr in den kurzen stabilen Phasen wirklich wirksam. Führungskräfte und Mitarbeiter stürzt das in den Dauerstress durch Überforderung.

4. Es müssen alle Grundwidersprüche verhandelt werden Hierarchien können die Grundwidersprüche nicht mehr ausgrenzen (Mann-Frau, alt-jung, bewahren-verändern, Gemeinschaft-Individuum). Sie schlagen im Gegenteil voll durch und bringen die alten Machtstrukturen ins Wanken. Diese Widersprüche erfordern eine vollkommen neue Dialogqualität, die in klassischen Organisationsformen nicht leistbar ist.

5. Die Globalisierung und Vernetzung erzeugt eine extrem hohe Dichte Die Folgen der Globalisierung und der steigenden Vernetzung werden als Situation erlebt, die am besten mit dem Terminus der extrem hohen „Dichte“ beschrieben werden kann. Es kommt zu erzwungener Nachbarschaft, zu Hemmungen durch die starke Verwobenheit und zu vielen unerwünschten Kollisionen, also zu Konflikten. Die Situationen sind schwer handhabbar, weil die verfügbare Zeit eine Lösung auf klassischen Wegen nicht zulässt.

6. Die Bedürfnisse der Menschen haben sich verändert Mitarbeiter erwarten Leadership-Qualitäten und arbeiten nicht mehr nur auf Anweisung. Sie wollen Begegnungen auf Augenhöhe, mehr Selbstverantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten. Die Zusammenarbeit in Teams muss neu organisiert und agil gestaltet werden. Command-and-control-Systeme führen nur noch zur Demotivation und zu Dienst nach Vorschrift.

7. Die technologischen Innovationen bringen musterbrechende Erneuerungen Der technologische Fortschritt ist kaum mehr nachvollziehbar und auch kaum wirklich rational verstehbar. Was die neuen Technologien an Wandel bringen, lässt sich auf klassischen Wegen strategisch nicht mehr ausreichend bearbeiten. Die Geschäftsmodelle ganzer Branchen verändern sich in kürzester Zeit. Wer nur reagiert, ist bereits zu spät dran, bevor das Entwicklungsprojekt begonnen hat.

8. Die Digitalisierung definiert Arbeit und Produktion vollkommen neu Durch die Digitalisierung wird die Wirtschaft neu organisiert. Das bringt enorme Ungewissheit und strategische Risiken mit sich. Es ist unklar, wie sich Arbeit in Zukunft definieren lässt und welche Aufgaben in Zukunft noch von Menschen übernommen werden können. In den Chefetagen der Bürokratien ist eine Art Duldungsstarre eingekehrt. Das Eindringen der Digitalisierung führt aber nur dort zur schöpferischen Befruchtung, wo der Lebendigkeit (der Agilität) die Tore geöffnet werden.

9. Sustainable Development setzt global neue Prioritäten aber auch neue Grenzen Was meist als heiteres Imageprojekt begonnen hat, ist vielerorts zum strategischen Ernstfall geworden. Wer sich dem Wirtschaften mit ökologischer Nebenwirkungsarmut nicht ergibt und soziale Auswirkungen ignoriert, gilt als einfältig und wird für seine Torheit in der Welt der sozialen Medien bestraft. Nachhaltiges Wirtschaften ist aber kein Paradigma, das in bürokratischen Welten gut gedeihen kann.

10. Das Wachstum erhält neue Bedeutungen und wird von neuen Qualitäten durchdrungen Bisher ist wirtschaftlicher Erfolg mit Wachstum gleichgesetzt worden. Wenn es aber plötzlich auch eine Debatte über eine mögliche „Ankunft“ gibt, müssen sich die Wirtschaft und das Unternehmertum selbst neu erfinden. Wachstum ist im Wandel, soviel ist sicher.

 

Gewiss ist heute nur eine Sache, wie sie Peter Sloterdijk beschreibt: „Es lässt sich nicht leugnen, die einzige von universaler ethischer Bedeutung in der aktuellen Welt ist die allgegenwärtig wachsende Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann“. Daraus folgt auch: Organisation und Führung müssen sich ändern!

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